Barcelona-Showdown: JDRT bändigt das „Biest“ trotz Achsbruch-Drama
Die Generalprobe ist vorbei. Vier Stunden lang wurde der Asphalt von Barcelona zum Prüfstand für das JD Racing Team. Zwischen einer zerbrechlichen Mechanik und emotionalen Ausbrüchen hat das Team bewiesen: Die Tanzschritte sitzen noch – auch wenn die Musik zwischendurch kurz aussetzte.
Barcelona gilt als Gradmesser für die gesamte Saison. Wer hier besteht, kann überall bestehen. Für JDRT war es jedoch ein Start mit Hindernissen, der vor allem eines zeigte: Dieses Team lebt von seiner Leidenschaft.
T. Reckler: „Eine ganz andere Welt“ – Das Debüt des Startfahrers
Zum ersten Mal in der Geschichte des Teams übernahm Thomas Reckler nicht nur das Qualifying, sondern auch den entscheidenden ersten Stint. Ein Rollenwechsel, der ihn sichtlich beflügelte, trotz des frühen Pechs durch eine aggressive Attacke eines Lexus-Piloten.
„Als Startfahrer ist es nochmal was ganz anderes“, erklärte Reckler nach seinem Einsatz. „Ich denke, das war eine gute Generalprobe. Ich freue mich, in Zukunft wieder als Startfahrer in die Rennen zu gehen – vorher war mir dies ja nicht möglich.“
Doch der Schock folgte in der ersten Kurvenkombination: Ein Lexus stach zu scharf hinein und traf den Porsche an der rechten Achse. Der Schaden war verheerend und zwang das Team zur sofortigen Reparatur an die Box. Reckler analysierte das Ganze gewohnt sachlich, aber mit einem Funken Ungläubigkeit:
„Wie leicht die Achse bricht, hat mich etwas stutzig gemacht. Aber sonst im Rennen hat sich der Porsche gut gemacht. Ich denke, in Paul Ricard wird es zwar schwierig, aber der Rest des Kalenders sieht ganz gut aus.“
M. Johnson: „Ich blute für dieses Team“
Wenn einer die emotionale Achterbahnfahrt von JDRT verkörpert, dann ist es M. Johnson. Hatte er in den Trainingseinheiten noch mit den Setups und der Performance gehadert („geflucht und gestänkert“, wie es im Paddock hieß), zeigte er sich bei der Generalprobe wie ausgewechselt. Sein Fokus war messerscharf, sein Ehrgeiz ungebrochen.
„Ja, ich war etwas aufgeheizt“, gab Johnson offen zu. „Mein Ehrgeiz ist groß, Leistung zu bringen – und dieses Team voranzutreiben umso mehr. Ich blute für dieses Team! Wenn ich dabei noch weitere 200 Stunden in irgendwelche Entwicklung und Flucherei stecken müsste, würde ich es tun.“
Sein Stint war – bis auf eine kleine Berührung mit dem befreundeten A-Team aus Österreich - tadellos. Johnson zeigte sich als Teamplayer par excellence und nahm den Kontakt mit Humor:
„Sie kamen gerade aus der Box, ich hatte sie auf dem Schirm. Dann kamen sie doch ein Stück zu weit raus und ich habe sie mit der Hinterachse erwischt. Ich bin absolut nicht böse, sowas kann passieren – viele Grüße nach Österreich!“
M. Decker: Das „Biest“ im Griff der Reifen-Folter
Den letzten Stint und damit den Weg zur Zielflagge übernahm M. Decker. Er durfte das Potenzial des Porsches voll ausschöpfen, der sich im Rennen deutlich gutmütiger verhielt als in der Simulation des Trainings. Decker fand fast schon poetische Worte für seinen Ritt auf dem Porsche:
„Der Porsche war ein Traum auf der Strecke. Man konnte richtig Gas geben und das Auto wie ein Biest über die Strecke jagen. Barcelona nagt regelrecht an den Reifen und gerade die letzten Runden hatten dank des hohen Verschleißes ihren ganz eigenen Twist, aber ansonsten lief alles stabil und geschmeidig.“
Trotz der Freude über das Fahrverhalten blieb ein kleiner Wermutstropfen bezüglich des frühen Unfalls:
„Es war ein gutes Rennen, aber da war mehr möglich. Wir hatten Pech, dass wir so früh reparieren mussten, das hat uns ganz schön zurückgeworfen. Aber wir setzen stets maximale Anstrengungen ein und erholen uns bestmöglich, um schließlich eine gute Platzierung zu erzielen.“
Die Stimme der Vernunft: René Bergmann am Limit
Hinter der Boxenmauer war die Anspannung greifbar. Team-Manager René Bergmann durchlitt jede Sekunde des 4-Stunden-Rennens, als stünde er selbst auf dem Gaspedal. Besonders der frühe Schaden strapazierte sein Nervenkostüm bis zum Äußersten.
„Ich war anfangs sehr nervös, gerade weil wir mit Schaden ins Rennen gestartet sind. Ich bin immer von Anfang bis Ende voll aufgeladen. Ob man jetzt mit mir tauschen will oder nicht, überlasse ich jedem selbst“, so Bergmann.
Doch am Ende überwog die Erleichterung über die erbrachte Leistung und das Ende einer Durststrecke:
„Ich bin froh, wenn wir nach der eher durchwachsenen letzten Saison endlich wieder die Zielflagge gesehen haben.“
Das Fazit der Redaktion: JDRT hat den Rost der Off-Season abgeschüttelt. Die Fahrer sind hungrig, das „Biest“ von einem Porsche ist schnell, und die Moral scheint – trotz oder gerade wegen der hitzigen Diskussionen im Vorfeld – auf einem neuen Hoch zu sein. Wenn die Achsen in Paul Ricard halten, ist mit diesem Team in Saison 10 definitiv zu rechnen.